Kaum eine Begriffsverwechslung führt in der Mining-Branche so häufig zu Missverständnissen wie die zwischen "Resource" und "Reserve". Beide Begriffe beschreiben Rohstoffvorkommen, unterscheiden sich aber grundlegend in ihrem Sicherheits- und Wirtschaftlichkeitsgrad — ein Unterschied, der für die Bewertung eines Minenprojekts entscheidend ist.

Dieser Beitrag erklärt diese Terminologie im Detail, einschliesslich der internationalen Standards, die ihre Verwendung regeln.

Tagebaumine mit Gesteinsprobe und Übersicht des Resource-Reserve-Kontinuums von Inferred bis Proven
Der Weg von der Resource zur Reserve zeigt, wie sich geologisches Potenzial in wirtschaftlich abbaubare Mengen übersetzt

Was ist eine Resource?

Eine Mineral Resource ist eine Konzentration eines Rohstoffs, die geologisch nachgewiesen wurde und deren wirtschaftlicher Abbau grundsätzlich als potenziell möglich eingeschätzt wird — ohne dass bereits alle wirtschaftlichen, technischen und rechtlichen Faktoren abschliessend geprüft wurden. Resources werden in drei Vertrauensstufen unterteilt: "Inferred" (angedeutet, geringste Datenqualität), "Indicated" (angezeigt, mittlere Sicherheit) und "Measured" (gemessen, höchste Sicherheit).

Was ist eine Reserve?

Eine Mineral Reserve ist der wirtschaftlich abbaubare Teil einer Resource, für den eine detaillierte technische und wirtschaftliche Machbarkeitsstudie durchgeführt wurde, die Faktoren wie Abbaumethode, Verarbeitung, Infrastruktur, Genehmigungen und aktuelle Rohstoffpreise berücksichtigt. Reserves unterteilen sich in eine wahrscheinliche und eine nachgewiesene Kategorie; die Bezeichnungen unterscheiden sich je nach Regelwerk — der JORC Code spricht von «Probable» und «Proved Ore Reserve», andere Systeme von «Proven». Resources und Reserves bilden dabei keine einzelne lineare Sicherheitsleiter: Eine Reserve setzt zusätzlich voraus, dass die relevanten Modifying Factors und die wirtschaftliche Abbaubarkeit geprüft wurden.

Warum diese Unterscheidung entscheidend ist

Eine grosse Resource-Zahl allein sagt wenig über die tatsächliche Wirtschaftlichkeit eines Projekts aus — sie zeigt lediglich, wie viel eines Rohstoffs geologisch vorhanden sein könnte. Erst die Umwandlung in eine Reserve zeigt, wie viel davon unter realistischen wirtschaftlichen Bedingungen tatsächlich gewinnbringend gefördert werden kann. Ein Projekt mit einer riesigen Resource, aber keiner ausgewiesenen Reserve, befindet sich noch in einem sehr frühen und unsicheren Entwicklungsstadium.

Internationale Standards: JORC und NI 43-101

Um verlässliche, vergleichbare Angaben zu ermöglichen, unterliegen Resource- und Reserve-Schätzungen international anerkannten Standards. Der australische JORC Code und die kanadische Offenlegungsregel NI 43-101 gehören zu den bekanntesten. NI 43-101 regelt die Offenlegung; die zugrunde liegenden Definitionen von Resources und Reserves stützen sich unter anderem auf die CIM Definition Standards. Beide Systeme verlangen, dass Schätzungen von qualifizierten Fachpersonen nach definierten Methoden erstellt und öffentlich dokumentiert werden. Ob und wann diese Person zwingend unabhängig sein muss, richtet sich nach dem jeweiligen Regelwerk und dem Anlass der Offenlegung; eine generelle Unabhängigkeitspflicht besteht nicht in jedem Fall. Diese Standardisierung soll überzogene oder unbegründete Angaben verhindern.

Was das für die Projektbeurteilung bedeutet

Bei der Beurteilung eines Minenprojekts lohnt sich immer der Blick auf die genaue Klassifizierung: Handelt es sich um eine Resource oder bereits um eine Reserve? Welcher Vertrauensstufe entspricht sie? Und nach welchem Regelwerk wurde die Schätzung erstellt?

Diese Angaben zeigen, wie weit ein Projekt tatsächlich entwickelt ist — unabhängig davon, wie beeindruckend die reinen Tonnage- oder Gehaltsangaben klingen.

Quellen

  • JORC Code — Australasian Code for Reporting of Exploration Results, Mineral Resources and Ore Reserves, jorc.org
  • CIM Definition Standards on Mineral Resources and Mineral Reserves, Canadian Institute of Mining, Metallurgy and Petroleum, cim.org
  • National Instrument 43-101 — Standards of Disclosure for Mineral Projects, Canadian Securities Administrators

Weitere Insights

Wie sich die Resource- und Reserve-Angaben eines konkreten Projekts einordnen lassen, besprechen wir gerne persönlich in unserem Bereich Bergbau & Rohstoffe.